Foto: Jessica Su-Youn Hucke

VERA VIEHÖFER

CEO, Geno Kom Werbeagentur GmbH und Ereignishaus – Live Marketing

Die erste Irritation besteht darin, zu glauben Transformation wäre ein endlicher Prozess. Im Gegenteil ist sie in beide zeitlichen Dimensionen gedacht offen. Wenn wir die Erkenntnisse verschiedener Denkschulen zu Rate und die richtigen Schlüsse ziehen, erkennen wir, dass Transformation in den meisten Fällen die (zu) späte formale Integration verhaltensoptimierter Prozesse bedeutet. Ein Phänomen der heutigen Zeit ist es, schon im ­Vorfeld formale Vorgaben für wünschenswerte Verhaltensoptimierungen zu geben. Immer mehr sprachliche Normen sollen einen Wandel des Bewusstseins manifestieren. Die wichtigste Erkenntnis für die ­Branche ist dabei – abseits aller ethisch-moralischen Richtigkeit der Inhalte – die Bereitschaft der Öffentlichkeit, neue formale Vorgaben zu akzeptieren und das eigene Verhalten an ihnen auszurichten. Ein Fakt, den wir als Kommunikationsprofis verinner­lichen müssen, ist, dass Geschichten zwar allein durch die Erzählung entstehen, gute Geschichten aber nur aufgrund eines Erlebnisses erzählt werden. Agenturen haben gut daran getan, ein Verständnis für das vielbeschworene Momentum und das zitierfähige Narrativ zu entwickeln. Das Gestalten von ­Kommunikationssituationen muss für uns das Nonplusultra bleiben. Digital meint dabei, zu verstehen, welche sozialen Räume sich Zielgruppen bereits erschlossen haben – und wie wir diese zusammen mit unseren Kunden mitgestalten können. Gerade beim Verstehen macht die MICE-Branche gerade eine echte Transformation durch. Wir wissen, womit wir live in Präsenz begeistern können, das ist unstrittig und vielfach bewiesen. Im Moment des Stillstands von physischen Veranstaltungen waren wir ­allerdings fast alle genauso on hold. Schlau waren die, die ihre Kunden kannten. Die Not von Partnern, die kommunizieren müssen, um ihre Ziele zu erreichen, muss unsere Aufgabe sein. Und wir müssen verstehen, dass eine Online-Experience anders funktioniert als der Begegnungs-Moment. Und wir müssen Zielgruppen verstehen. Wer sich auf seinem Discord-Channel zu Hause fühlt, wird nur ungern eine Web-App nutzen. Formal bedeutet das, wir sammeln Visitenkarten von Gästen und laden sie gerne wieder ein, versorgen sie mit Informationen, bieten mehr Interaktion. Wir schaffen anschlussfähige Kommunikation: strukturell, inhaltlich, interessensbasiert. Wir sprechen für unsere Kunden. Und unsere Kunden sprechen für uns. Wer versteht, welche Implikationen das mit sich bringt, kann sich eine belastbare Unternehmensphilosophie daraus bauen. Am Ende sind wir als Agenturen Möglichmacher für Marken. Und diese Herausforderung für unsere Kunden zu übernehmen, weil wir die Besten in den verschiedensten Formen der kommunikativen Expertise, interpersonell, visuell, medial, im E-Mail-Marketing, Workshop-Geschäft… (You name it) zusammenbringen, ist unser Asset. Wichtig ist, dass unsere Kunden verstehen, dass Talk auch Walk bedeutet. Starke Botschaften brauchen starke Lösungen. Und wir wollen die Marke verstehen, um wie beim Lead & Follow zumindest eine Richtung für egal welche Wünsche und Eskapaden vorzuschlagen. Danach ist mit einem kreativen Team fast alles möglich.

Bild: Jessica Su-Youn Hucke

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