BEST PRACTICE

UNESCO-WELTKONFERENZ ZUR BILDUNG FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

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UNESCO-WELTKONFERENZ ZUR BILDUNG FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Vom 17. bis 19. Mai 2021 lief in Berlin die digitale UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Mit dem Thema „Learn for Our Planet. Act for Sustainability." leitete sie die neue Dekade zur weltweiten Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Bildungsbereichen ein. Verantwortlich für die Umsetzungwar Natalie Maaß-Stalp. Bei familie redlich leitet sie ein Team, das sich auf internationale Großveranstaltungen spezialisiert hat.

Kerstin Wünsch: Frau Maaß-Stalp, Sie haben die digitale UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung 2021 verantwortet. Was waren Ihre drei größten Herausforderungen? Natalie Maaß-Stalp: Die drei maßgeblichen Herausforderungen waren die Abstimmungen mit weit über zehn nationalen und internationalen Stakeholder-Gruppen in unterschiedlichen Zeitzonen, die Planung der komplexen Dolmetscher- und Streaming-Anforderungen sowie das Teilnehmenden-Management – natürlich insbesondere das für die teilnehmenden Regierungsvertreter:innen.

Digitale Events unterscheiden sich in der Dramaturgie und Inszenierung von analogen. Können Sie das Konzept für die UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung kurz beschreiben? Das Wichtige war die Verabschiedung der Deklaration „Roadmap 2030“. Dafür gab es eine Statement-Runde, in der sich die anwesenden Ministerien der teilnehmenden Länder zu der Roadmap geeinigt haben. Im weiteren Programmverlauf gab es diverse Arbeitsgruppen, die die konkrete Umsetzung der Roadmap inhaltlich vorangetrieben und in konkrete Handlungsanweisungen übersetzt haben. Abgeschlossen wurde die Konferenz mit der finalen Verabschiedung der Deklaration.

Die UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) war ein Gemeinschaftswerk. Bitte beschreiben Sie kurz die Aufgabenverteilung zwischen den beteiligten Organisationen und Ihnen. Die Organisatoren/-innen der Veranstaltung – UNESCO, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit der Deutschen UNESCO-Kommission sowie dem Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – haben das Agenda-Setting sowie inhaltliche Dimensionen verantwortet. ­familie redlich zeichnete für die kreative, technische und organisatorische Planung und Durchführung verantwortlich. Sie haben mit einem Team zusammengearbeitet, das auf der ganzen Welt verstreut ist. Wie viele Personen waren das und in welchen Bereichen haben diese gearbeitet? Auf Veranstalterseite waren rund 40 Personen eingebunden. Teilweise waren wir zuzüglich anderer Dienstleister:innen mit bis zu 70 Personen eingebunden. Agenturseitig sind Kollegen/-innen aus Projektleitung Grafik, Text, Redaktion und Architektur im Einsatz gewesen. Extern haben wir unser Projektteam durch diverse Technikgewerke, Softwareanbieter und Personaldienstleister verstärkt.

„MAN BRAUCHT IMMER EIN PROFESSIONELLES, IN SICH FUNKTIONIERENDES TEAM, SONST SCHAFFT MAN SOLCH EINE GROßE KONFERENZ NICHT.“
NATALIE MAAß-STALP, TEAMLEITERIN INTERNATIONALE GROßVERANSTALTUNGEN, FAMILIE REDLICH

Welche Kommunikations- und Kollaborationstools haben Sie genutzt? In der Zusammenarbeit mit institutionellen Auftraggebern muss diese Anforderung immer sensibel geplant werden, da es unterschiedlich hohe Anforderungen und Sicherheitsrichtlinien gibt. Grundlegend nutzen wir, unter Berücksichtigung der DSGVO, alle bekannten Tools wie Webex, Skype und Jitsi sowie Trello, Asana und Shared Docs. Was lief in der Zusammenarbeit gut, was nicht? Teamgedanke und Spirit aller haben wirklich reibungslos und toll geklappt. Pandemiebedingt hat jedoch ab und zu der persönliche Austausch gefehlt. Wie wurde das zweieinhalbtägige Programm kuratiert und erstellt? Die Ausgestaltung des Programms wurde kollaborativ mit allen Partnern erstellt. Vonseiten der UNESCO gab es viele zu beachtende Kriterien – etwa die internationale Ausgewogenheit in der Besetzung der Panels, in Bezug auf Diversität und der fachlichen Kompetenzen etc.

Welche Formate gab es und wie haben Sie diese durchgeführt?

  • Im Plenum fanden die offizielle Eröffnung, Keynote-Speeches, Podiumsdiskussionen, der Ministerial Round Table sowie die Abschlusszeremonie statt.

  • In den 5 x 5 Parallel-Sessions, also insgesamt 25, wurden die Konferenzinhalte in Video-Konferenzen vertieft und bearbeitet. Sie dienten vor allem dazu, bereits vorhandenes Wissen allen Beteiligten zugänglich zu machen und konkrete Umsetzungen der Roadmap 2030 zu planen. Darüber hinaus boten sie den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich weiter untereinander zu vernetzen.
  • An der Ausstellung haben sich 85 internationale Organisationen beteiligt. Die Ausstellung war Teil des Programms und hat an zwei Tagen als digitale Session stattgefunden. Angeboten wurden Live-Vorträge und Diskussionen. Die Hälfte der Konferenzgäste hat das Angebot genutzt.
  • Für die Healthy-Breaks haben wir vier verschiedene Videos­ mit sportlichen Übungen wie Rückentraining oder Yoga zur Verfügung gestellt. Zudem gab es einen angeleiteten Meditations-Spaziergang.
  • Als Rahmenprogramm gab es eine digitale Welcome-Reception mit Reden sowie für die Konferenz eingesungenen Songs und die „German Night“, initiiert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

„LEARN FOR OUR PLANET. ACT FOR SUSTAINABILITY.“

Die UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) endete am 19. Mai 2021 mit der Verabschiedung der Berliner Erklärung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die dreitägige digitale Konferenz mit dem Motto "Learn for Our Planet. Act for Sustainability." bildete den offiziellen Auftakt für die neue Dekade zur weltweiten Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen bis 2030. Es nahmen 3.000 Teilnehmer:innen aus 161 Nationen teil, mehr als 70 Ministerinnen und Minister sowie 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer weltweit.

Werfen Sie einen Blick auf einige der Höhepunkte der Konferenz und den dringenden Aufruf zum Handeln, um für unseren Planeten zu lernen und zu handeln.

Erfahren Sie mehr über die Konferenz und lesen Sie die Berliner Erklärung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Während sich Inhalte digital recht gut abbilden lassen, sind die Möglichkeiten zur Interaktion und zum Networking ­selten befriedigend. Wie haben Sie das gelöst? Für das Networking wurden ausgewiesene Networking-Zeiten innerhalb des Programms eingerichtet. Zudem waren alle Tools während der Konferenz nutzbar, z. B. der Chat auf der Plattform wonder.me. Möglichkeiten zur Interaktion boten ein Chat sowie diverse Q&A- und Fishbowl-Sessions. Je nach Informations- und Vernetzungsbedarf konnte man über die Eventplattform auf personalisierten Content zurückgreifen. Zudem war es wichtig, dass ausreichend Zeit für die Interaktionen und das Networking eingeplant wurde. Von wo aus und wie haben Sie die digitale UNESCO­Weltkonferenz übertragen, und worauf ist beim Venue zu achten? Wir haben aus dem bcc in Berlin gesendet. Die Wahl der Location war eine wichtige Planungskomponente, da die komplexen Anforderungen an ein Aufnahmestudio in TV-Qualität sowie an fünf Räume für die Betreuung der parallel laufenden Sessions nur von wenigen Locations erfüllt werden konnten. Darüber hinaus musste die Location groß genug sein, um die Produktion mit einem Team von über 260 Personen dem Hygiene- und Schutzkonzept entsprechend umzusetzen. Für die Plattformlösung wurde mit der kanadischen Firma Nextech zusammengearbeitet.

Wie wurde die UNESCO-Weltkonferenz übertragen? Die Übertragung der UNESCO-Weltkonferenz erfolgte auf der Konferenzplattform Inferno AR. Zusätzlich wurde das Programm im Plenum auf dem YouTube-Kanal der UNESCO und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) und dem BNE-Portal des BMBF übertragen. Wir haben über 70 Kanäle benötigt, weil wir sieben Sprachen im Plenum hatten, 5 x 5 Kanäle bei parallelen Sessions, den Stream des Plenums sowie der Nationalen Konferenz auf dem UNESCO- und DUK-Youtube-Channel, jeweils in Englisch und im Original-Ton, den Stream des Plenums sowie der Nationalen Konferenz auf dem BNE-Portal. Außerdem musste pro Kanal ein Back-up-Kanal eingerichtet werden. Wie haben Sie sichergestellt, dass alle – Speakers wie Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Zugang bekommen? Nach der Registrierung haben alle Gäste einen Zugang zur Eventplattform per E-Mail erhalten. Zusätzlich wurden individuelle Zugänge für Speaker:innen sowie Teilnehmende, die sich aus Gebieten zugeschaltet haben, in denen der Zugang zu öffentlichen Webseiten erschwert ist, z. B. in China oder in Syrien, eingerichtet.

„BILDUNG FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG DARF KEIN PRIVILEG SEIN, SONDERN MUSS ALLEN MENSCHEN ÜBERALL AUF DER WELT ZUGÄNGLICH SEIN.“
BUNDESKANZLERIN ANGELA MERKEL IN IHRER ERÖFFNUNGSREDE AUF DER UNESCO WELTKONFERENZ ZUR BILDUNG FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Sie hatten 260 Speakers. Können Sie uns bitte das Handling beschreiben? Die Auswahl und Einladung erfolgten durch die UNESCO. Wir haben alle Protagonisten/-innen in Zusammenarbeit mit der UNESCO durch persönliche Ansprache per E-Mail inklusive ­umfangreicher Briefingdokumente informiert und zusätzlich ­Videocalls mit jedem vereinbart. Die Technik-Checks und das ­Onboarding haben wir in Zusammenarbeit mit einem technischen Dienstleister koordiniert und umgesetzt. Insgesamt fanden dafür über 85 Meetings im Zeitraum vom 21. April bis 18. Mai 2021 statt. Die Technik-Checks liefen ab einer Woche vor der Veranstaltung.

Wie viele Menschen haben an der UNESCO Weltkonferenz teilgenommen, wie viele zugesehen? 3.000 internationale Teilnehmende haben die gesamte Veranstaltung mitverfolgt. Diese wurden durch die UNESCO ausgewählt, bekamen Zugang zur Konferenzplattform und konnten das Konferenzangebot somit nutzen. Zudem wurden 10.000 Personen zusätzlich über die YouTube- und BMBF-Kanäle erreicht, die aber nicht alle Teile der Konferenz mitverfolgen konnten.

Wie lief das Teilnehmermanagement ab? Die offizielle Einladung des ausgewählten UNESCO-Verteilers wurde postalisch oder per E-Mail an die Teilnehmenden übermittelt. Zudem konnten sich die Institutionen im Vorfeld der Konferenz über einen Call for Interest für die Teilnahme an der Konferenz bewerben. Die eingeladenen Teilnehmenden konnten ihren Teilnahmewunsch über SurveyMonkey zurückmelden und erhielten per E-Mail einen Zugang zur Konferenzplattform. Wie haben Sie für den Datenschutz gesorgt – erst recht angesichts von Rednerinnen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel? Ein Querschnittsteam aus unseren Projektleitern, unseren Datenschutzbeauftragten sowie einer externen juristischen ­Beratung waren im ständigen Austausch mit den Vertretern des Veranstalters. Simultan dolmetschen in bis zu sieben Sprachen und zum Teil aus dem UNESCO Headquarter in Paris. Wie haben Sie die 64 Dolmetscher und 32 Sprachkanäle digital eingebunden? Es gab eine technisch sichere Direktleitung zwischen Berlin und Paris. Zudem haben wir auch die Möglichkeiten von Videokonferenzen genutzt.

Blick hinter die Kulissen: Katja Hoffmann-Wöll (links) und Leonie Webb hatten die Gesamtprojektleitung der digitalen UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung 2021 inne und der Nationalen Auftaktkonferenz. Rechts im Bild Ingmar Klatt.

Gab es weitere Begleitformate wie den Ministerial Round Table mit 80 Bildungsministerinnen und -ministern? Nein. Aber zum Ministerial Round Table konnten sich die Minister:innen als Speaker:innen melden. Die enge persönliche Betreuung der Ministerien und der notwendige ständige Kontakt zwischen uns und dem UNESCO-Team in den letzten Tagen vor der Konferenz waren definitiv eine Herausforderung. Wie haben Sie sichergestellt, dass Sie im Budget- und Zeitrahmen bleiben? Durch regelmäßige Jour-fixe-Termine mit dem Organisations­team auf Kundenseite, Recap-Meetings sowie tagesaktuelle ­Auswertungen aus unserem Projektcontrolling. Ist die UNESCO-Weltkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung klimaneutral abgehalten worden? Ganz klimaneutral können digitale Veranstaltungen leider nicht sein, dennoch konnte natürlich ein hoher Reiseaufwand vermieden werden.

Gab es eine Erfolgskontrolle, Teilnehmerbefragung oder Feedback seitens der UNESCO nach der Veranstaltung? Ja. Und da es uns selbst als auftragnehmender Agentur wichtig ist, setzen wir dies generell bei Planungen von Veranstaltungen als Standard durch. Die Umfrage zeigte eine sehr positive Rückmeldung und Vorfreude auf die nächste Konferenz. Gemäß Feedback innerhalb der UNESCO setzte diese Weltkonferenz neue Maßstäbe; vor allem in der Anzahl der Teilnehmenden, Speaker:innen sowie Minister:innen. Was sind Ihre drei größten Learnings? Große internationale Konferenzprojekte machen uns sehr viel Spaß, sind aber auch sehr herausfordernd. Man braucht immer ein professionelles, in sich funktionierendes Team, sonst schafft man solch eine große Konferenz nicht. Wenn man die Dramaturgie sowie die Programminhalte konsequent an den digitalen Raum anpasst, funktionieren digitale Konferenzformate – auch in dieser Dimension – sehr gut. Und man benötigt immer mehr Zeit, als man eigentlich zur Verfügung hat. Welchen wichtigen Aspekt habe ich vergessen? Am dritten Veranstaltungstag fand nach der UNESCO-Weltkonferenz auch die Nationale Auftaktkonferenz statt, welche wir ebenfalls ganzheitlich organisiert und betreut haben.

Kerstin Wünsch

Bilder: familie redlich; Angela Merkel: Bundesregierung/Kugler

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