OBSERVABLE WORK + NARRATING YOUR WORK =

WORKING OUT LOUD­

Die Corona-Pandemie beschleunigt die Digitalisierung und damit die Art und Weise,­ wie wir (zusammen)arbeiten. Es entsteht eine neue digitale Arbeitswelt, in der sich ­Menschen treffen, austauschen und sich der Transformation stellen. Gefragt sind neue Partnerschaften und Methoden der Zusammenarbeit wie „Working Out Loud“.

Der Bundesverband Industrie Kommunikation (bvik) hat drei neue Themenpartner. Zwei davon sind aus der Eventbranche: die Eventmanagement-Software EventManager Online und Event-Tech-Partner mit Technologiepartnern wie die Event-Plattform Hubilo. Damit will das B2B-Netzwerk bvik aus Marketingverantwortlichen und Kommunikationsfachleuten ein Zeichen für die Professionalisierung und Digitalisierung im Bereich Kommunikation und Customer Experience setzen. Für bvik-­Geschäftsführerin Ramona Kaden sind diese Partnerschaften wichtig für die Entwicklung des Verbands und des bvik-Kongress „Tag der Industrie-Kommunikation“ (TIK 2021). Mit dem Motto „Brücke zwischen zwei Welten“ verband der TIK 2021 seine digitalen und analogen Teilnehmer in einem Hybridevent. Kaden betont: „In diesen Zeiten sind starke Player aus dem Bereich Livemarketing und Digitalisierung ein wertvolles Plus für den Verband und seine Mitgliedsfirmen.“ Schließlich sind Messen, Kongresse und Events im mittelständischen produzierenden Gewerbe zentrale Kontaktpunkte der Customer Journey, und der Austausch ist für die Informationsbeschaffung und Vertrauensbildung – gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten und komplexen Prozessen – wesentlich. Genau hier will Holger Marggraf, Geschäftsführer von Event-Tech-Partner, als Full-Service-Anbieter zu digitalen Lösungen für hybride, virtuelle und Präsenzevents unterstützen. „Der Anspruch an digitale Veranstaltungen wird zu einer nachhaltigen Differenzierung auch nach Corona werden. Diese Entwicklung schreitet rasant voran und braucht neben einer sorgfältigen Planung auch die richtigen Partner und vor allem nicht zu knappe Budgets“, bekräftigt bvik-Vorstandsmitglied Silke Lang, Director Marketing Mobile Hydraulics der Bosch Rexroth AG.

Die Bosch Rexroth AG ist Anbieter von Antriebs- und Steuerungstechnologien und eine 100-prozentige Tochter von Bosch. Für Bosch arbeiten knapp 400.000 Mitarbeiter in über 60 Ländern und die gilt es mitzunehmen, wenn sich das klassische ­Industrieunternehmen ins Zeitalter Industrie 4.0 aufmacht. Wie ernst es Bosch damit ist, liest sich in der Pressemeldung zum Geschäftsjahr 2020, welches das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen trotz der Pandemie und rückläufiger Automobilproduktion positiv abschließt. „Mit Investitionen in wichtige Zukunftsfelder wie nachhaltige Mobilität, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz bauen wir unsere Innovationsführerschaft weiter aus“, sagt Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch. Insbesondere aus der Kombination von Künstlicher Intelligenz (AI) und dem Internet der Dinge (IoT), also „AIoT“, verspricht sich Bosch Wachstumschancen in ­Milliardenmärkten und will ein führendes AIoT-Unternehmen werden. Damit befindet sich Bosch in der größten Transformation ­seiner 130-jährigen Unternehmensgeschichte und in guter Gesellschaft mit Unternehmen aus nahezu allen Branchen: Auto­mobil, Energie, Banken und Versicherungen, Medien, Messen und Kongresse­. Katharina Krentz ist bei Bosch im Bereich Corporate Human Resources tätig und dort im Transformation Team. Sie veranschaulicht die großen Veränderungen mit einer Anekdote. „Ach, ihr seid die mit den Waschmaschinen!“ wird sie vor Beginn ihres Vortrags „Working Out Loud@Bosch“ von einem Teilnehmer angesprochen. Krentz erklärt: „Ja, wir sind die mit den Waschmaschinen. Wir machen auch Bohrmaschinen und sind Automobilzulieferer.“ Allerdings werden die Geräte und Maschinen zunehmend smart sein, miteinander vernetzt über das Internet ansteuerbar.

Gruppenbild mit den Organisatoren und Sponsoren der Working Out Loud Conference 2018 von Bosch und Daimler.

Für viele Unternehmen wird die Gestaltung von Organisation, Arbeitsprozessen und Führung zur großen Herausforderung und Kollaboration ihr Hebel: Fachübergreifend werden Teams aus unterschiedlichen Abteilungen und Bereichen gebildet, ­deren Mitarbeiter sich mit ihren verschiedenen Stärken, Skills und Sichtweisen einbringen. Kollaboration stellt – anders als die Kooperation – das gemeinsame Ziel über eigene Interessen. Bei Daimler etwa verändert und stärkt das Team #collaborate die vernetzte Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern aller Regionen, Bereichen und Hierarchieebenen und setzt für mehr Agilität und Innovationskraft ein Enterprise Social Network ein, das Daimler Social Intranet. Diesen Prozess beschleunigen neben der Digitalisierung die Pandemie und das Arbeiten im Homeoffice: Schon nach einem Jahr sind digitale Kollaborationstools eingeführt und erlernt. Sie ermöglichen die Vernetzung, den Austausch und die Zusammenarbeit über Abteilungen, Geschäftsbereiche und Unternehmen hinweg. Prozesse werden transparent, Personen sichtbar: Wer weiß was? Wer arbeitet mit wem woran? Dazu finden unzählige webbasierte Kollaborationsplattformen ihren Einsatz; an Projekten wird über Trello oder Jira gearbeitet, Ideen werden über Miro und Mural gesammelt. Die technische Vielfalt birgt allerdings die Gefahr, dass sich Menschen nicht mehr zurechtfinden.

Katharina Krentz kennt diese Gefahr. Die Expertin für digitale Kollaboration bei Bosch beschäftigt sich mit neuen Arbeits­methoden und Fragen wie: Wie haben wir früher gearbeitet und wie arbeiten wir heute? Welche Methode gibt es, um Mitarbeiter zu befähigen, um neue Tools effizient zu nutzen, um zu lernen und maximal Spaß bei der Arbeit zu haben? Eine Antwort ist für sie Working Out Loud (WOL). Working Out Loud ist eine Methode, mit der Menschen lernen, wie sie digital zusammenarbeiten und persönliche virtuelle Netzwerke entwickeln. „Working Out Loud lässt sich schwer übersetzen. Loud steht nicht für Lautstärke, sondern Transparenz, Sichtbarkeit und für uns für digitale Zusammen­arbeit. Wir übersetzen Working Out Loud mit der Fähigkeit und der inneren Haltung vernetzt, sichtbar in einem ­Netzwerk zu arbeiten – vielleicht sogar über Unternehmens­grenzen hinweg. Definitiv aber über die Grenzen von Abteilungen und Geschäftsbereichen hinweg“, erklärt Krentz.

„WIR BRAUCHEN MITARBEITER, DIE SICH IN EINEM NETZWERK BEWEGEN, AUCH IN EINEM VIRTUELLEN NETZWERK.“
KATHARINA KRENTZ, CORPORATE HUMAN RESOURCES, BOSCH

Working Out Loud beschreibt eine Mentalität der Zusammenarbeit und eine darauf aufbauende Selbstlern-Methode, die Bryce Williams 2010 als Gleichung darstellt: „Working Out Loud = ­Observable Work + Narrating Your Work“. Die Menschen sollten nicht nur ihre Arbeit erledigen, sondern andere daran teilhaben lassen, damit sie voneinander lernen und gemeinsam besser werden. John Stepper baut die Methode aus und veröffentlicht 2015 das Buch „Working Out Loud“. Im gleichen Jahr führt ­Krentz die WOL-Methode in Deutschland, bei Bosch ein. Sie weiß: „Die Entwicklung zum Software-Unternehmen geht nur über gut vernetzte Mitarbeiter. Wir brauchen Mitarbeiter, die sich in einem Netzwerk bewegen, auch in einem virtuellen Netzwerk.“ Ihre ­Initiative Working-Out-Loud@Bosch kommt auf 6.000 Mitglieder und ist seit 2020 im HR-Bereich strategisch verankert. Daimler führt Working Out Loud 2016 ein. Aus dem ersten Circle erwächst im Daimler Social Intranet in zwei Jahren eine Community mit 1.100 Followern. 98 % empfehlen die Methode anderen weiter, 100 % haben seither mehr Freude an ihrem Job. Da WOL die Interessen des einzelnen Mitarbeiters mit denen des Unternehmens verknüpft, wird die Methode eine Säule der Strategie DigitalLife@Daimler. 2018 veranstalten Daimler und Bosch die erste unternehmensübergreifende WOL-Konferenz mit dem ­Motto „Mit Working Out Loud Perspektiven und Kultur verändern“.

Workshop auf der Working Out Loud Con­ference 2018 von Bosch und Daimler.

Foto: Media Daimler

Mittlerweile ist die WOL-Methode in 60 Ländern verbreitet und in Deutschland in Unternehmen wie AUDI, BMW, Bosch, Continental, Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Telekom und Siemens. Certified WOL-Coaches begleiten die Methode, z. B. Anna-Lena Schmitt, Spezialistin Change Management und Digitale Transformation bei der Deutschen Bahn oder Tanja Müller, Digital Transformation Officer bei der Deutschen Messe.

„Working Out Loud und Kollaboration bereiten den Weg in die Zukunft“, meint René Proske. Der CEO bei Proske, führt seit drei Jahren in seinem LinkedIn-Profil den Subtitel „Let’s transform our industry!“ „Mir war bewusst, dass sich in unserer Branche Dinge grundlegend ändern müssen – und auch werden“, sagt Proske in der tw tagungswirtschaft. Bereits im Jahr vor Corona sitzt seine Event-Agentur an der Entwicklung des „Virtual ­Venue“. Hier arbeiten die 80 Mitarbeiter an neuen Optionen für das Lernen und Arbeiten in virtuellen Räumen und an einem digitalen Zwilling ihres Firmensitzes in Rosenheim. Co-Kreation und Kollaboration sind für Proske das Gebot der Stunde, denn die anspruchsvollen Herausforderungen und komplexen Kommunikationswege sind mit Insellösungen und dem Abstecken von Claims nicht zu lösen. Proske: „Innovationen entstehen vielleicht auch künftig als kreative Individualereignisse, müssen dann aber kollaborativ zur Marktreife, beziehungsweise Alltagstauglichkeit, weiterentwickelt werden.“ Das gelte im besonderen Maße auch für ein mittelständisches Unternehmen mit globaler Ausrichtung wie Proske. Gemeinsam mit internationalen Partnern wie BCD Meeting & Events in EMEA arbeitet Proske interdisziplinär an ­virtuellen Eventplattformen für die Anforderungen einer weltweiten Community von Veranstaltungsplanern, Veranstaltern, Anbietern und Event-Teilnehmern.

„KOLLABORATION KANN INNOVATION AUF EIN NEUES LEVELN HEBEN“

In der Welt der Live-Kommunikation herrscht kein Mangel an klugen Köpfen und kreativen Ideen. Eine Idee ist jedoch immer nur der Anfang – sie muss weitergedacht werden und bedarf in der Regel sowohl zusätzlicher Ressourcen als auch weiterer Expertise, um sich zu einem Prototypen entwickeln zu können. Hier kommen nun kollektive Intelligenz und …

Auf Open Innovation, eine Form der Kollaboration, bei der Unternehmen, Organisationen und Institutionen mit Externen zusammenarbeiten, um gemeinsam Innovation zu entwickeln, setzt auch Matthias Schultze. Der Geschäftsführer des German Convention Bureau (GCB) sieht in Kollaboration den Schlüssel zur Lösung von Problemen: „Individuen haben Ideen, aber erst im Zusammenspiel mit anderen Menschen und deren Perspektive wird daraus eine Lösung. Dort, wo Menschen zusammenarbeiten und sich austauschen, entsteht Inspiration für Neues. Je offener dieser Prozess und je diverser die Beteiligten, desto größer der Raum für Innovation.“ Plattformen sind für ihn das zentrale Ins­trument für Kollaboration und Co-Kreation.

Diese offene Innovationsplattform hat das GCB mit der Professio­nal Management Association (PCMA) und der IMEX Group 2021 ins Leben gerufen. Der Response Room bietet ein interdisziplinäres Forum für Innovationen bei Business Events und fördert so Kollaboration und Co-Kreation. Im Bereich Innovation Challenges arbeiten die Nutzer gemeinsam an Herausforderungen. Ziel ist der Aufbau einer globalen Community von Eventprofessio­nals, um neue Lösungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Neue Lösungen und Innovationen passieren nicht in geschlossenen ­Silos, sondern in offenen, agilen Prozessen“, ist Matthias Schultze überzeugt. „Der Response Room setzt ein Zeichen für eine neue Art der Zusammenarbeit", bekräftigt Carina Bauer, CEO der IMEX Group. „Angesichts der Tatsache, dass alte Modelle und Arbeitsweisen auf Schritt und Tritt gestört und in Frage gestellt werden, ist die Zeit reif für echte Innovationen. Der Response Room gibt den Ton für eine neue Art der Zusammenarbeit an. Er wird Macher, Schöpfer, Kollaborateure und Neugierige motivieren."

Kerstin Wünsch

Bilder: Media Daimler; Bosch, Kai R. Joachim; Logo: GCB

Alle Angaben zu Impressum zum Datenschutz